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Bilingualer Unterricht in der Stiftsschule

Überfordert es mein Kind nicht, so früh Spanisch zu lernen?

Nein- je früher, desto besser.

Begründung:
Spracherwerbsforscher bestätigen: Die Begegnung mit der ersten Fremdsprache muss gemäß den Erkenntnissen der Hirnforschung so früh wie möglich erfolgen, damit der Fremdsprachenerwerb weitgehend natürlich geschehen kann. Je kleiner ein Kind ist, umso intuitiver und selbstverständlicher erschließt es sich eine Fremdsprache. Die ersten Schritte in die neue Sprache werden kindgerecht gestaltet, so dass eine Überforderung der Kinder praktisch ausgeschlossen ist.

Dennoch werden in unserer Schule durch erhöhte Unterrichtsstundenzahl, wechselnde Lehrer und wechselnde Unterrichtsräume erhöhte Anforderungen an die Kinder gestellt. Daher ist altersgemäße kognitive, emotionale und soziale Entwicklung bei den Kindern nötig, um den erwünschten Erfolg zu erzielen. In Vorgesprächen mit den Lehrern werden die Eltern ausführlich über die Chancen ihres Kindes informiert.


Wie wird Spanisch als Fremdsprache in der Stiftsschule unterrichtet?

Spielerisch

Begründung:
Die Neugier der Kinder auf alles Neue soll auf die spanische Sprache und Kultur gelenkt werden. Dabei verwenden die Kinder die gesprochene Sprache immer wieder in kommunikativen Situationen, zum Beispiel mit den Kindern in der Klasse, die noch über keine oder geringe Deutschkenntnisse verfügen.

Die Einbeziehung aller Sinne motiviert die Kinder dazu, Redemittel in ganzheitlicher Form zu üben und sie sich auf diesem Wege einzuprägen.

Daher bieten sich besonders die Fächer Musik, Sport und Sachunterricht an, in der Unterrichtssprache Spanisch z.T. im Team (Spanischlehrerin und Klassenlehrerin) zu unterrichten.

Aber: Kein Kind wird zunächst zum Spanischsprechen gedrängt, solange es noch nicht dazu bereit ist. Jedem Kind wird genügend Zeit zugestanden, erstmal nur zuzuhören, ohne selbst aktiv zu werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass es durchaus möglich ist, dass Kinder bis zu 2 Jahren eine Phase des Schweigens passieren, bevor sie das bis dahin Gespeicherte aktiv einbringen.


Ist es überhaupt möglich, das deutsche und das spanische Alphabet gleichzeitig zu lernen?

Ja, durchaus!

Begründung:
Die parallele, also gleichzeitige Alphabetisierung wurde an zweisprachig aufwachsenden Kindern untersucht. Man stellte generell fest, dass Kinder in der Lage sind, gleichzeitig in 2 Sprachen mit unterschiedlichen Alphabeten lesen und schreiben erfolgreich zu lernen.

Das Konzept der Stiftsschule sieht vor, zunächst nur die muttersprachlich Spanisch erzogenen Kinder gleichzeitig Spanisch und Deutsch zu alphabetisieren. Es werden zu Beginn nur die gleich klingenden Laute in beiden Sprachen parallel bearbeitet.

Die Erarbeitung aller Laute (auch der unterschiedlichen Laute) wir sukzessiv vollzogen, und zwar vorwiegend nach dem Prinzip des Sprachforschens. Kinder, die nicht muttersprachlich spanisch erzogen wurden werden spätestens im 2. Schuljahr Spanisch alphabetisiert.


Können Grundschüler denn schon die Aussprache des Spanischen schaffen?

Je jünger das Kind, desto besser klappt es!

Begründung:
Kinder besitzen vor Eintritt des zehnten Lebensjahres das so genannte entwicklungspsychologische Fenster für die Phonetik. Auch das hat die Hirnforschung festgestellt. Sie haben eine natürliche Sprechfreude und sind fähig, sich die Aussprache fremder Wörter ohne Mühe einzuprägen. Von klein auf lernen Kinder so ihre Muttersprache, und, solange sie jünger als zehn Jahre sind, auch die Aussprache fremder Sprachen.

Wichtig dabei ist aber: Richtig vorsprechen, denn das falsch Vorgesprochene wird vom Kind ebenso unkritisch übernommen wie das Richtige.

In der Stiftschule sind alle Lehrer Nativespeaker aus dem lateinamerikanischen und dem spanischen Raum – die unterschiedliche Aussprache und die
z. T. unterschiedliche Bedeutung von Wörtern werden immer im Unterricht thematisiert und akzeptiert.


Soll die spanische Grammatik richtig erklärt werden?

Nein! Erst später!

Begründung:
Bewusste Sprachreflexion, wie sie bei Grammatik- und Rechtschreibübungen stattfindet, entspricht nicht dem kognitiven Stand der Schuleingangsphase.

Sie würden den Spracherwerb in diesem frühen Stadium eher hemmen. Fragen Kinder allerdings nach Schreibweise, Aussprache oder Bedeutung von Wörtern, muss das erst genommen werden und dem Forscherdrang der Kinder Rechnung getragen werden. Ab dem dritten Schuljahr werden die entsprechenden grammatikalischen Themen der Niveaustufen A1 und A2 nach dem Europäischen Referenzrahmen aufgegriffen.


Wird Spanisch als Fremdsprache denn überhaupt richtig gelernt, wenn zunächst noch nicht viel geschrieben und wenig Grammatik erklärt wird?

Ja!

Begründung:
Die ersten Lernziele im frühen Spanischunterricht betreffen das Schreiben und die Grammatik nur sehr indirekt. In den Vordergrund rücken vielmehr die erste Begegnung mit der spanischen Sprache, die Fähigkeit sie zu hören und zu verstehen, das elementare nachahmende Sprechen und erste Erkenntnisse über spanisch sprechende Länder.

Aus ihnen resultieren ganz harmonisch erste Nachfragen nach Regelhaftem und nach Schreibweisen. Hierbei helfen die Internationalismen, das Verstehen mit Hilfe von Gesten, die Folgerungen aus Zusammenhängen und das Einbinden von Vorwissen.


Warum werden einige Fächer auf Spanisch unterrichtet?

Das i s t das bilinguale Konzept!

Begründung:
Im Unterschied zum traditionellen Fremdsprachenunterricht, ist Ziel des bilingualen Unterrichts die Zielsprache (in diesem Fall Spanisch) nicht bzw. nicht nur als Unterrichtsinhalt, sondern als Mittel der Kommunikation zu nutzen. Dadurch wird eine erhöhte Sprachkompetenz angestrebt. Deshalb wird Spanisch auch in der Stiftsschule im Sachfachunterricht verwendet. Es bieten sich die Fächer Musik, Sport und Sachunterricht an, da sie in der Alltagssprache unterrichtet werden können.


Wie setzt sich die Klasse zusammen?

Ziel: 50% muttersprachlich spanische Kinder und 50% muttersprachlich deutsche Kinder

Begründung:
Ziel ist die gegenseitige Befruchtung beider Gruppen.
Kinder, die zum Beispiel aus dem Spanisch sprechenden Ausland kommen, sind eine gute Motivation für die deutschsprachigen Schüler, ihre ersten Spanischkenntnisse anzuwenden. Das sprachliche Spanischangebot für die deutschsprachigen Kinder wird dadurch erhöht.

Auf der anderen Seite gelingt die Integration in dem schulischen Alltag für die Neuankommenden leichter, da die Kommunikationsmöglichkeiten größer sind. Die Lehrer haben viel Erfahrung mit Schülern aus unterschiedlichen Spanisch sprechenden Ländern mit ihren unterschiedlichen Schulsystemen und können gezielt fördern. Die Kinder lernen also nicht nur die neue Sprache Deutsch, sondern auch weiterhin wie im Mutterland ihre Muttersprache.


Kann mein Kind in die Regelklasse wechseln, wenn es sich herausstellt, dass der bilinguale Zweig nicht geeignet ist?

Möglich, aber oft nicht sinnvoll!

Begründung:
Die Auswahl der Kinder erfolgt nach intensiven Eltern- und Kindergesprächen und die Eindrücke werden mit den erfahrenen Kollegen im Team besprochen.
Diese Gespräche sind Grundlage für die Entscheidung. Dennoch kann sich im späteren Verlauf der Schuleingangsphase herausstellen, dass für ein nichtmuttersprachlich Spanisch aufwachsendes Kind dieses Angebot nicht fruchtbar ist und es besser in der Regelklasse aufgehoben wäre. Für die muttersprachlich Spanisch aufwachsenden Kinder jedoch ist dieses Angebot, auch auf Spanisch alphabetisiert zu werden, eine wichtige Grundlage, ihre bilingualen Wurzeln zu stabilisieren. Hier ist ein Wechsel nicht zu empfehlen.


Kann mein Kind in einer bilingualen Klasse überhaupt schnell Deutsch lernen?

Ja, grundsätzlich schon.

Begründung:
In einer Schule mit bilingualen Zweig sind viele Kinder, Lehrer und Eltern, die Spanisch sprechen. Kinder und Eltern, die aus einem Spanisch sprechenden Land ohne Deutschkenntnisse kommen, erfahren in ihrem Übersiedlungsprozess nach Deutschland in diesem Netzwerk durch Eltern, Kinder und Lehrern viel Unterstützung. Die Integration von Migranten oder rückehrende Experten der verschiedensten Organisationen in die deutsche Gesellschaft erfolgt oft schneller und reibungsloser.

Das Erlernen der deutschen Sprache hängt von vielen Faktoren ab:

- Wie schnell ist es dem Kind möglich, sich in die neue Klassengemeinschaft zu integrieren, Freunde zu finden?

- Wie schnell lässt sich das Kind in die bestehenden Förderprogramme einzubinden?

- Wie groß ist das Engagement der Eltern?

- Wie gut sprechen die Eltern selbst die deutsche Sprache? Ist das Kind dadurch motiviert auch die deutsche Sprache schnell zu erlernen ?

- Wie groß ist das „ Heimweh " ?

- Ist es für das Kind eine Erleichterung, dass es viele Übersetzer hat? Oder verlässt es sich auf diese Möglichkeit viele Helfer zu haben und ergreift keine Eigeninitiative?

- Wie groß ist die derzeitige emotionale Belastbarkeit ?

- Nimmt das Kind an außerschulischen Sprachkursen teil?